Bestimmungsschlüssel für Bienenarten in Deutschland

Master thesis: Building an identification key for German bee species using artificial nesting aids

Etwa 25% der 571 – 586 Bienen-Arten in Deutschland nisten in oberirdischen Hohlräumen und können künstliche Nisthilfen nutzen. Um diese Arten bestimmen zu können fehlen bisher Bestimmungsschlüssel, die auch von Nicht-Taxonomen benutzt werden könnten, denn die vorhandenen Bestimmungsschlüssel umfassen bis zu 160 der in Deutschland vorkommenden Arten und enthalten entsprechend viele Fachausdrücke, da Arten in großen Gattungen nur durch morphologische Details (oder über DNA-Barcodes) unterschieden werden können.
Bestimmungsschlüssel für kleinere Gruppen kommen mit weniger Merkmalen aus und sind daher leichter zu konstruieren und zu nutzen. Eine weitere Erleichterung für den Nutzer bieten „multi-entry“ Schlüssel, die zumeist aber nur online funktionieren, da man für ihr Drucken viele Seiten Papier brauchen würde. Multi-entry Schlüssel benutzen eine Mischung von „groben“ und „feinen“ Merkmalen, wobei der Nutzer selber jedes Merkmal, das er nutzen möchte, bestimmt.

Für meine Masterarbeit habe ich mit dem Shareware-Programm Lucid 3 einen multi-entry Bestimmungsschlüssel für 78 Arten von Bienen erstellt, die an Nisthilfen in Süddeutschland vorkommen, einschließlich der 15 Arten von Kuckucksbienen, deren Wirte in Nisthilfen zu finden sind.
Für jede Art legte ich zwei Profile (Datenmatrizen) an, eines für Männchen, eines für Weibchen, sowie je einen Steckbrief mit zusätzlicher Information zur Lebensweise und Nahrung. Für 67 der 78 Arten fertigte ich zudem je vier hochauflösende Bilder von genadelten Bienen aus der Zoologischen Staatssammlung in München an.
Den Schlüssel testete ich an 28 Anwendern mit unterschiedlichem Erfahrungslevel und verbesserte ihn entsprechend. Auf Artniveau ließen sich 35 Arten sicher bestimmen, während 43 nur bis zu Gattung bestimmt werden konnten. Außerdem kam es zu Fehlinterpretationen, wenn die zu identifizierende Biene bereits alt und ihre Flügel und Behaarung abgenutzt waren. Für solche Fälle habe ich weitere, „selten zutreffende“ Merkmale angegeben. Der Bestimmungsschlüssel zusammen mit meinen Bienen-Detailphotos wird auf der Homepage des Botanischen Garten in München veröffentlicht werden.

Text: Eva-Maria Reicheneder, Ludwig-Maximilians-Universität München