Juli 2017: Unsere Pflanzen

Titanenwurz

Amorphophallus titanum (Becc.) Becc. ex Arcang.
Familie: Araceae (Aronstabgewächse)
Heimat: nur auf der Insel Sumatra (Indonesien), Unterwuchsplanze im äquatornahen Regenwald


Die zweite Titanenwurz im Jahr 2017 im Botanischen Garten München-Nymphenburg

Im März 2017 kam die Knolle dieser 14 Jahre alten Titanenwurz aus dem Palmengarten Frankfurt in den in den Botanischen Garten München-Nymphenburg. Sie entstammt aus handbestäubter Nachzucht des Palmengartens im Jahr 2002. Samenernte war im Jahr 2003.


21.06.2017: Der von den äußeren grün gefleckten Hüllblättern noch schützend umgebene junge Blütenstand

Die Knolle wog vor dem Austrieb 29 kg.
In der zweiten Aprilwoche 2017 begann die Knolle auszutreiben.
Nachdem sich herausgestellt hatte, dass sich ein Blütenstand entwickelt, kam die Pflanze am 21. Juni 2017 in das Victoriahaus.


03.07.2017 vormittags: Die Pflanze ist deutlich in die Höhe gewachsen. Die äußeren Hüllblätter sind verwelkt und haben das noch eng am Kolben (Spadix) anliegende große Hüllblatt (Spatha) freigegeben.

Es folgte ein rasches Wachstum des Blütenstandes. Er wuchs bis zum 2. Juli 2017 auf eine Höhe von 1,76 m heran. Die Pflanze blüht zum zweiten Mal. Der erste Blütenstand dieser Titanenwurz öffnete sich vor zwei Jahren, am 2. Juni 2015 im Palmengarten Frankfurt. Dort erreichte die Pflanze eine Höhe von 1,84 m.


03.07.2017 nachmittags: Das große Hüllblatt (Spatha) beginnt sich zu öffnen.

Am Montag, dem 3. Juli 2017, gegen 14 Uhr begann sich das große Hüllblatt (die Spatha) zu entfalten. Völlig geöffnet war es dann am späteren Abend. Gleichzeitig mit der Öffnung intensivierte sich der Geruch nach verdorbenem Fleisch. Dabei dient der Kegel oder Konus, auch Spadix genannt, als „Kamin“, der sich auch noch zusätzlich erwärmt, damit sich die Geruchsstoffe besser und weiter verbreiten.


04.07.2017: Die Titanenwurz ist seit gestern Abend voll aufgeblüht.

Der Blütenstand der Titanenwurz wird außer aus dem sterilen Hüllblatt und dem Kolben von zahlreichen kleinen eingeschlechtigen, männlichen und weiblichen Blüten gebildet, die an der Basis des Kolbens sitzen. Sie sind von außen nicht sichtbar. Es handelt sich um den größten, unverzweigten Blütenstand der Welt; er kann über 3 m hoch werden. Bestäubungsbiologisch wirkt er wie eine Einheit und wird deswegen als Blume bezeichnet.
(Die größte Einzelblüte der Welt ist dagegen die Rafflesia, eine Schmarotzerpflanze, Durchmesser der Blüte 13 cm bis 1 m).

Bei der Titanenwurz gibt es zwei Blühphasen:
Erste Phase: Nur in der 1. Nacht die weiblichen Blüten sind befruchtungsfähig.
Zweite Phase: In der 2. Nacht sind die männlichen Blüten reif und geben ihren Pollen frei. Auf diese Art wird Selbstbefruchtung vermieden.

Der aasartige Geruch lockt nachtaktive, aasliebende Käfer und Insekten an. Diese krabbeln auf der Innenseite des braunviolett gefärbten Hüllblatts an die Basis, um dort ihre Eier an dem vermeintlich verwesenden Fleisch (vorgetäuscht durch Geruch und Farbe) abzulegen. Dabei vollziehen die Insekten die Bestäubung. Die geschlüpften Larven müssen jedoch verhungern, da in Wirklichkeit kein verwesendes Fleisch vorhanden ist. Man bezeichnet die Titanenwurz deshalb als Täuschblume.

Wie geht es weiter: Der Blütenstand wird nach der Blüte von Tag zu Tag welker: man lässt ihn einziehen (ähnlich wie bei Tulpenzwiebeln). Nach einer Ruhephase wird die Knolle ein einziges, riesiges Blatt treiben. Wann das nächste Mal ein Blütenstand erscheint, kann nicht vorhergesagt werden. Es kann zwei, drei oder mehr Jahre dauern.

Fotos: Franz Höck, Ehrentraud Bayer; Bot. Garten München-Nymphenburg
Text: Dr. Ehrentraud Bayer, Harald Loose, Eva Schmidbauer; Bot. Garten München-Nymphenburg

Internet: www.botmuc.de/titanenwurz