Dracaena draco: Drachenbaum

An seinem natürlichen Standort auf den Kanarischen Inseln ist Dracaena draco, der Drachenbaum nahezu ausgerottet. Zu begehrt war über lange Zeit hinweg der blutrote Saft, der bei Verletzung des Stammes aus der Rinde fließt. Stofflich gesehen handelt es sich dabei um ein Gummiharz, das an der Luft schnell erhärtet. Wegen seiner roten Farbe und blutähnlichen Konsistenz wird es als Drachenblut bezeichnet. Der Geschmack ist bitter.

Drachenblut wird seit altersher genutzt. Die Guanchen, die Ureinwohner der Kanaren, mumifizierten damit ihre Toten. In der Volksmedizin findet Drachenblut innerlich Verwendung bei Durchfallerkrankungen, äußerlich zur Wundbehandlung. Früher wurde auch der durch Vitaminmangel hervorgerufene Skorbut damit bekämpft. Wegen seiner Ähnlichkeit mit menschlichem Blut wird Drachenblut bei mystischen Handlungen eingesetzt. Getrocknetes Drachenblut dient als Räucherwerk und soll eine spirituell reinigende Wirkung haben. Im Mittelalter war Drachenblut fast so wertvoll wie Gold. Außer zu medizinischen Zwecken diente das rote Harz damals auch als Beizmittel für Streichinstrumente. Heute wird es zur Herstellung von Lacken, Firnissen und Polituren für Holz und Marmor verwendet.

Außer diesem Echten oder Kanarischen Drachenbaum gibt es noch etwa 100 weitere Drachenbaum-Arten. Aber nur einige wenige davon liefern ebenfalls Drachenblut.

Der Baum kann eine Höhe von bis zu 20 m erreichen. Charakteristisch für ältere Exemplare ist die überaus reiche gabelige Verzweigung im Kronenbereich. Die Blüten des Drachenbaums sind weiß und stehen in langen Rispen. Die Früchte sind orangerote Beeren.



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Dracaena draco: Drachenbaum (MP3, 808 KB)

Audioproduktion und Copyright: Soundgarden Audioguidance GmbH
Text: Ehrentraud Bayer, Botanischer Garten München-Nymphenburg