Vanilla planifolia: Die Gewürz-Orchidee

Die weltwirtschaftlich wichtigste Art aus der Familie der Orchideen ist die Echte Vanille, Vanilla planifolia. Um sie zu sehen, müssen Sie nach oben schauen, denn die Vanille ist eine Kletterpflanze, die bis zu 10 m hoch ranken kann. Zum Festhalten nutzt sie rankende Wurzeln, die dem Spross entspringen. Als Gewürz werden die reifen Kapselfrüchte verwendet, botanisch inkorrekt Vanilleschoten genannt. Die gelbreif geernteten Früchte müssen einem Aufbereitungsprozess unterzogen werden, damit sich das typische Vanille-Aroma entwickelt. Hauptkomponente des Gewürzes ist das Vanillin, das man auch künstlich herstellen kann. Der Geschmack der natürlichen Vanille bleibt jedoch unvergleichlich, da er außer auf Vanillin noch auf fünfunddreißig weiteren Bestandteilen beruht.

Die Vanille ist in Mexiko beheimatet, wo sie bereits von den Azteken genutzt wurde. Zunächst lag die Vanilleproduktion deshalb ausschließlich in mexikanischer Hand. Dann gelang es jedoch, heimlich Stecklinge aus Mexiko auszuführen. Über die Botanischen Gärten Antwerpen und Paris kamen Ableger der Vanille nach Java und auf die Insel Réunion, die früher Bourbon hieß. Natürliche, echte Vanille trägt deshalb noch heute den Namen Bourbon-Vanille.

Erst im Jahr 1864 wurde das Monopol der Mexikaner auf die Vanilleproduktion aufgehoben. Heute liegt das Hauptanbaugebiet auf Madagaskar, wo allein im Jahr 2005 eine Vanilleproduktion von 6.200 Tonnen erfolgte. Die außerhalb von Mittelamerika kultivierten Vanillepflanzen müssen alle mit der Hand bestäubt werden, da die natürlichen Bestäuber fehlen.



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Vanilla planifolia: Die Gewürz-Orchidee (MP3, 768 KB)

Audioproduktion und Copyright: Soundgarden Audioguidance GmbH
Text: Ehrentraud Bayer, Botanischer Garten München-Nymphenburg