Victoria: Bestäubung

Der Bestäubungsvorgang der Riesenseerose Victoria ist außerordentlich faszinierend. Ihre großen, schneeweißen Blüten öffnen sich in der Abenddämmerung. Unmittelbar mit der Öffnung der Blüte beginnt die Abgabe eines intensiven Blütenduftes, der fruchtig bis lösungsmittelartig riecht. Damit die Duftstoffe gut verdampfen, erhöht die Victoria die Temperatur im Blüteninneren um nahezu 10 Grad gegenüber der Außentemperatur.

Ziel dieser Signale sind dämmerungsaktive Käfer, die in Scharen angelockt werden. Nach der Landung krabbeln sie über die Narben, wobei sie die Blüten durch den mitgebrachten Pollen bestäuben. Am nächsten Morgen schließen sich die Blüten. Die tageslichtscheuen Käfer verbleiben geschützt im Blüteninneren. Nun öffnen sich die Staubblätter und die Käfer beschmieren sich über und über mit dem klebrigen Pollen. Am zweiten Abend öffnet sich die Blüte erneut. Sie hat die Farbe gewechselt, ist jetzt purpurn und duftlos. Die Käfer fliegen davon, um eine weitere unberührte weiße Victoriablüte zu besuchen. Am nächsten Morgen schließt sich die Blüte endgültig und sinkt unter den Wasserspiegel, um dort die Frucht ausreifen zu lassen.

Da in unseren Gewächshäusern die passenden Käfer fehlen, wir aber jedes Jahr für die Nachzucht Samen der Victoria benötigen, muss die Seerose von Hand bestäubt werden.



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Victoria: Bestäubung (MP3, 652 KB)

Audioproduktion und Copyright: Soundgarden Audioguidance GmbH
Text: Günter Gerlach, Botanischer Garten München-Nymphenburg