Welwitschia mirabilis: Eine sonderbare Pflanze

In Südafrika, in manchen Gegenden der Wüste Namib, ist diese merkwürdige und seltene Pflanze zu Hause. Sie besteht aus einem rübenförmigen Stamm, der unterirdisch in eine lange Pfahlwurzel mündet. Die Pflanzen stecken daher bei uns, anstatt in normalen Blumentöpfen, in Kanalröhren. Oberirdisch fallen die beiden bandförmigen, lederigen Blätter auf. Sie wachsen stets an der Basis nach, während sie an den Enden vertrocknen und auffransen. Das Erstaunliche ist, dass dies die einzigen Laubblätter sind, die die Pflanze zeit ihres Lebens besitzt. Noch erstaunlicher ist daran, dass sie mehrere hundert Jahre alt werden kann. Das älteste Exemplar, das man kennt, ist sogar 1.500 bis 2.000 Jahre alt.

Auch erdgeschichtlich handelt es sich um eine sehr alte, heute isoliert stehende Pflanzenart: Die nächsten Verwandten von Welwitschia sind seit langem ausgestorben. Auf Grund der freien, nicht in einem Fruchtknoten eingeschlossenen Samenanlage stellt man Welwitschia zu den Nacktsamern. Das ist die Gruppe, zu der auch unsere Nadelbäume, wie Tanne, Fichte und Kiefer, zählen.

Wie es Welwitschia ohne spezielles Wasserspeichergewebe geschafft hat, in der äußerst trockenen und kargen Wüste Namib Jahrhunderte zu überleben, ist nicht vollends geklärt. Ein Zusammenwirken vieler Faktoren ist wohl ausschlaggebend. Etwa die Wasseraufnahme bei Nebel über die korkartige Oberfläche des Stammes, die lederigen, dickhäutigen Blätter und die Ausbildung einer tief reichenden Pfahlwurzel sowie flach streichender Seitenwurzeln.



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Welwitschia mirabilis: Eine sonderbare Pflanze (MP3, 786 KB)

Audioproduktion und Copyright: Soundgarden Audioguidance GmbH
Text: Ehrentraud Bayer, Botanischer Garten München-Nymphenburg