Anthurium gracile: Ameisengärten

Pflanzen, die sich an das Leben im Kronendach angepasst haben, müssen dafür Sorge tragen, dass ausreichend viele ihrer Samen nicht zu Boden fallen, sondern wieder auf Ästen landen. Anthurium gracile hat dafür einen ganz eigenen Weg eingeschlagen. Ameisen verschleppen ihre Früchte in die Bauten, die sie in luftiger Höhe in Astgabeln errichten. Das Fruchtfleisch wird verzehrt, die Samen aber bleiben unangetastet. Damit ist die Pflanze mitten in einen Ameisenbau gelangt, in dem sie ideale Wuchsbedingungen vorfindet. Regelrechte „Gärten“ lassen die Ameisenvölker um ihre Bauten entstehen. Im Gegenzug stabilisieren die Pflanzen mit ihren Wurzeln die lockeren Ameisenbauten, was sich vor allem bei tropischen Regengüssen bewährt.

Auch andere Aronstabgewächse verlassen sich in der Ausbreitung ihrer Samen auf Tiere. Die Beeren werden von Vögeln, manchmal auch Affen, gefressen. Die Samen überleben die Darmpassage und landen mit dem Kot auf einem Ast – wenn sie Glück haben.



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Anthurium gracile: Ameisengärten (MP3, 469 KB)

Audioproduktion und Copyright: Soundgarden Audioguidance GmbH
Text: Andreas Gröger, Botanischer Garten München-Nymphenburg