Solanaceae: Staubbeutel mit Poren

Hier im Haus sind einige Blüten aus der Familie der Nachtschattengewächse, der Solanaceae, zu beobachten. Der Blütentyp ist Ihnen von Tomate oder Kartoffel bekannt. Diese Nachtschattengewächse gehen im Gegensatz zu vielen anderen Blütenpflanzen nicht freizügig mit ihrem Pollen um. Die Blüten hängen nach unten und die festen Staubblätter stehen kegelförmig zusammen. Ihre Pollensäcke reißen nicht auf, sondern öffnen sich an der Spitze mit einer winzigen Pore.

Bienen und Hummeln haben sich auf das Pollensammeln an diesen Blüten spezialisiert. Sie hängen sich unter die Blüte und vibrieren mit einem gut hörbaren Summton. Durch diese Vibration rieselt ihnen der Pollen auf den Bauch, von wo er eingesammelt wird. Das Einsammeln geschieht nie hundertprozentig, weshalb genug Pollenkörner im Haarkleid hängen bleiben. Sie werden auf die nächste Blüte übertragen und gewährleisten so die Fortpflanzung des Nachtschattengewächses.

Was ist der Vorteil dieser spezialisierten Technik gegenüber anderen Blütenpflanzen? Der Pollen der meisten Blütenpflanzen wird dadurch freigesetzt, dass die Pollensäcke aufreißen. In einer offenen Blüte, wie beispielsweise der Tulpe, ist der Pollen somit frei zugänglich. Er kann von beliebigen, nicht spezialisierten Insekten eingesammelt werden. Das bedeutet aber, dass der Großteil dieses Pollens sein eigentliches Ziel, die Narbe der nächsten Blüte, nicht erreicht. Die Pflanze muss diesen Verlust durch eine höhere Produktion an Pollen kompensieren.



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Solanaceae: Staubbeutel mit Poren (MP3, 715 KB)

Audioproduktion und Copyright: Soundgarden Audioguidance GmbH
Text: Günter Gerlach, Botanischer Garten München-Nymphenburg