Rekonstruktion der Ziervasen am Botanischen Institut

Im September 2020 wurden die Ziervasen, die von 1914 bis 1956 das Dach des Hauptgebäudes des Botanischen Gartens zierten, historisch-getreu rekonstruiert. (Video und Fotos vom Ereignis)




Als am 10. Mai 1914, natürlich ein Sonntag, der Botanische Garten München-Nymphenburg eröffnet wurde, damals noch als „Königlich Botanischer Garten“, war das Ensemble aus Gartenanlage und Botanischem Institut der Ludwig-Maximilians-Universität das Ergebnis eines der letzten großen Bauvorhaben der bayerischen Monarchie. In Formensprache und Zweckbestimmung bezeugt es jene Mischung von Traditionalismus der Lebensart und Modernität in Künsten und Wissenschaften, welche damals vom Königshause und der Regierung gezielt gefördert wurde.


1916, Nordseite mit Vasen und Sphingen
Die Attika-Bekrönung des Botanischen Instituts bestand aus vier Dachvasen nördlich zur Menzinger Straße und vier Vasen südlich zum Schmuckhof des Gartens.


Nordseite ohne Vasen, 17.02.2020

Nordseite mit neuen Vasen, 14.09.2020
Die großen Sphingen aus Muschelkalk am Institutseingang, geschaffen vom Bildhauer Prof. Julius Seidler (1867 – 1936), und die 1,80 m hohen Dachziervasen, geschaffen von Sebastian Resch (1889 – 1962), passten inhaltlich in besonderer Weise auf ein der Botanik gewidmetes Gebäude. Die Vasen waren aus dem damals hoch aktuellen Kunststein gegossen, einer Art von Beton. Die Formen dafür kamen von der Münchner Kunststein­fabrik Leonhard Moll.

Der historisch korrekte Ersatz der Dachvasen wurde vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, dem Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg, dem Dezernat Liegenschaften und Technik der Ludwig-Maximilians-Universität München und anderen Zuständigen inhaltlich unterstützt und durch Spenden der Baudenkmal-Stiftung München, des Garden Club of Bavaria, der Mooseder Stiftung München, des RC München-Nymphenburg und anderer Bürger ermöglicht.




1915, Südseite des Botanischen Instituts
Die Gestaltung der Dachvasen – ebenso wie die künstlerische Ausgestaltung aller Gebäude des Gartens – lag in den Händen namhafter Künstler. Zu nennen ist besonders das prächtige Mosaik im zentralen Treppenaufgang nach einem Entwurf von Julius Dietz (1870 – 1957), Professor an der Münchner Kunstgewerbeschule und Kunstakademie sowie Illustrator für die Zeitschrift „Jugend“ (Huber, 2004).


„Litteris et Floribus“ – der Wissenschaft und den Blumen

Text: Prof. Susanne S. Renner, Ludwig-Maximilians-Universität München