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Botanischer Garten München-Nymphenburg

Große Pilzausstellung

Plakat

Pilze - oder Schwammerl, wie man hierzulande sagt - sind unberechenbare Wesen. In manchen Jahren sind sie, insbesondere die begehrten Speisepilze, so selten wie die legendäre Blaue Mauritius. In anderen Jahren treten sie - so wie heuer - in bestimmten Regionen in beeindruckend großer Zahl auf. Tausende von eßbaren Pilzen, insbesondere Steinpilze, sollen Sammler im Bayerischen Wald vor kurzem gefunden haben. Da kann man nur hoffen, daß das derzeit feuchte und warme Wetter und damit das Pilzwachstum weiterhin anhalten.

Ganz gleichgültig aber wie viele Pilze man findet, man sollte sich auch bei einer "Schwammerlschwemme" nicht grenzenlos von der Sammelleidenschaft hinreißen lassen. Erlaubt ist in Deutschland nämlich nur das Sammeln für den eigenen Bedarf; diese Rücksichtnahme auf die Natur und auch auf andere Schwammerlfreundinnen und Pilzjäger sollte nicht vergessen werden.

Für viele ist der Verzehr von Schwammerln erst dann ein echter Genuß, wenn sie diese auch selbst gesucht und gefunden haben. Andere hingegen würden lieber einfach zum Supermarkt gehen, um dort nach Herzenslust möglichst das ganze Jahr über zwischen Steinpilzen, Maronen und anderen wohlschmeckenden Röhrlingen, Reherln (Pfifferlingen), Parasolpilzen, Hallimasch, Reizkern und anderen Pilzspezialitäten wählen zu können. Doch das bleibt vorläufig ein Wunschtraum, denn die meisten unserer Waldpilze lassen sich nicht so einfach züchten.

Und so muß man sich mit dem Angebot der Natur und der Auswahl im Spätsommer begnügen. Immerhin ist die Züchtung einiger weniger Arten mittlerweile etabliert, und man kann Champignons, Egerlinge, Austern- und Shitake-Pilze nahezu das ganze Jahr über kaufen.

In anderer Hinsicht kommen wir ohnedies fast täglich in den Genuß von Pilzen - oder besser gesagt in den Genuß ihrer (Stoffwechsel-) Tätigkeit. Die Rede ist von den Hefepilzen, einer ganz besonderen, winzig kleinen Pilzverwandtschaft. Ihr verdanken wir Schmalznudeln, Ausgezogene und Krapfen, Hefezopf, Rosinenschnecken und vielerlei Gebäck mehr - und natürlich das Bier!

Was für Wesen sind nun eigentlich diese Pilze?

Pilze sind keine Tiere, das ist offensichtlich. Am ehesten noch Pflanzen, könnte man meinen, denn diese gedeihen meist an festen Standorten und wachsen aus dem Boden. Den Pilzen fehlt jedoch das Chlorophyll, jener grüne Farbstoff, mit dessen Hilfe Pflanzen aus Sonnenlicht Energie gewinnen können. Pilze sind also weder Tiere noch Pflanzen, sondern etwas ganz Eigenes: Pilze eben! Für ihre Energiegewinnung müssen sie - ebenso wie alle Tiere und auch der Mensch - andere Lebewesen verdauen. Diese Lebensweise bezeichnet man als heterotroph. Organismen, die keine anderen Lebewesen zur Energiegewinnung für ihr Überleben benötigen, wie eben die Pflanzen, nennt man autotroph.

Anders als Tiere verleiben sich Pilze jedoch keine anderen Lebewesen ein. Sie haben eine andere Strategie entwickelt. Sie dringen von außen in ihre Beute ein. Das geschieht mittels eines äußerst weitläufigen und vielverzweigten Geflechts, dem Mycel, das aus dünnen Fäden, den sogenannten Hyphen, besteht. Diese scheiden Verdauungsenzyme ab. Sobald die vom Pilzgeflecht durchwachsene Nahrung in Form einfacher, wasserlöslicher Moleküle vorliegt, nimmt sie der Pilz in flüssiger Form auf. Unsere Waldpilze leben vorwiegend von totem Material, wie z.B. abgestorbenen Bäumen, abgefallenen Blättern und sonstigen Pflanzenresten. Diese Lebensweise nennt man saprophytisch. Andere Pilze befallen Kot, Insektenleichen, Federn, Haut und Horn.

Was man landläufig unter einem "Pilz" versteht, sind die in Stiel und Hut gegliederten oder konsolenförmig wachsenden Fruchtkörper, genauer die Fortpflanzungsorgane, die zu bestimmten Zeiten vom Mycel (Pilzgeflecht) gebildet werden. Die an den Fruchtkörpern reifenden Sporen sichern die Verbreitung der Pilze. Nicht immer sind die Fruchtkörper so spektakulär, wie wir es von Röhren- und Lamellenpilzen gewohnt sind. Sehr viel kleiner sind die sporenreichen Fortpflanzungsorgane z.B. bei den Schimmelpilzen.

Die Vielfalt der Pilze ist faszinierend. Alles in allem, Schimmel-, Hefe-, Rost- und Brandpilze sowie Ständerpilze eingeschlossen, wurden bislang 120.000 Arten erfaßt. Allein von den klassischen Ständerpilzen, wie Steinpilz, Fliegenpilz, Reizker oder Täubling sind etwa 30.000 Arten bekannt.

Nicht alle Pilze sind für den Menschen bekömmlich. Etwa 300 Arten sind giftig. Dazu zählen aus unserem Gebiet u.a. der bekannte Grüne Knollenblätterpilz, der Fliegenpilz, der Pantherpilz. Alle diese Arten zählen zur Gattung Amanita. In ihrer typischen Ausbildung sind Giftpilze meist gut von eßbaren Arten zu unterscheiden.

Leider kommt es jedoch immer wieder zu Verwechslungen, da Färbung und Muster der Pilze variabel sind. Es ist daher dringend davon abzuraten, ohne genaue Kenntnis der Merkmale und ohne Erfahrung selbst gesammelte Pilze zu verzehren. Wer Zweifel hat, kann sich an die jeweiligen örtlichen Pilzberatungsstellen und Pilzvereine wenden.

Eine gute Gelegenheit, sich beraten zu lassen, gibt es am verlängerten Wochenende vom 15. bis 17. September 2006 im Botanischen Garten München-Nymphenburg. Dort stehen Mitglieder des Vereins für Pilzkunde München e.V. im Rahmen der gleichzeitig gezeigten Pilzausstellung für Auskünfte zur Verfügung.

Die Ausstellung selbst wird in Haus 11 der Schaugewächshäuser des Botanischen Gartens gezeigt. Dort werden, sorgfältig etikettiert, frische Pilze aus der näheren und weiteren Umgebung Münchens zu sehen sein. Speisepilze werden ebenso gezeigt wie giftige oder ungenießbare Pilze.

Bei der Ausstellung geht es jedoch nicht nur um die Genießbarkeit der Pilze, sondern vielmehr auch darum zu zeigen, welche Vielfalt und Schönheit man in der Natur auch in dieser Gruppe von Lebewesen findet. Wer sich auf überschaubarer Fläche konzentriert ein Bild machen will von den bei uns vorkommenden Schwammerln und zudem Interessantes und Wissenswertes über die Vertreter dieses dritten großen Organismenreichs (neben Pflanzen und Tieren) erfahren will (Informationen in Haus 7 der Schaugewächshäuser) der sei herzlich eingeladen zur Großen Pilzausstellung in den Botanischen Garten.

Übrigens haben wir heuer ein Jubiläum: die Pilzausstellung im Botanischen Garten findet dieses Jahr bereits zum 10. Mal statt.

 

Armillaria mellea

Honiggelber Hallimasch
Armillaria mellea
Familie: Tricholomataceae (Ritterlingsartige)
Ordnung: Agaricales (Blätterpilze)

Büschelig an Baumstümpfen, aber auch an noch lebenden Bäumen, tritt im Herbst der Hallimasch auf. Er ist ein gefürchteter Forstschädling und kann lebende Bäume, die etwas geschwächt sind, zum Absterben bringen. Von vielen Pilzsammlern wird der Hallimasch als Speisepilz geschätzt. Allerdings verträgt ihn nicht jeder gut und reagiert möglicherweise mit Magen-Darm-Störungen bis hin zum Brechdurchfall. Auf jeden Fall muß der Hallimasch vor dem Genuß ausreichend gekocht oder gegart werden; in rohem Zustand ist er giftig und hat zudem einen eigenartigen, bitterlich herben und adstringierenden (zusammenziehenden) Geschmack.

Bemerkenswert ist, daß das Mycel (das feinfädige Pilzgeflecht) das modrige Holz durchzieht und in dunklen, feuchtwarmen Nächten zu leuchten vermag. Ein Phänomen, das man als Biolumineszenz bezeichnet. Es führte zu manch schauriger Legende, wie etwa der des unheimlichen Auftauchens "feuriger Hunde" beim nächtlichen Gang durch den Wald und anderem mehr. Verwechseln kann man den Hallimasch mit dem Stockschwämmchen, Kuehneromyces mutabilis, einem sehr guten Speisepilz, oder mit Arten der teilweise giftigen Gattung Hypholomea, den Schwefelköpfen.

 

Xerocomus chrysenteron

Rotfußröhrling
Xerocomus chrysenteron
Familie: Boletaceae (Röhrlinge)
Ordnung: Boletales

Am bekanntesten aus der Gattung Xerocomus ist der Maronenröhrling, X. badius, ein in gekochtem Zustand geschätzter Speisepilz - sieht man von der Strahlenbelastung (Tschernobyl) ab. Roh ist er giftig. Ebenfalls als Speisepilz verwendbar ist der in Nadel- und Laubwäldern vorkommende, attraktiv aussehende Rotfußröhrling, Xerocomus chrysenteron.

 

Macrolepiota procera

Parasol, Riesenschirmpilz
Macrolepiota procera
Familie: Agaricaceae (Schirmlinge und Egerlingsartige)
Ordnung: Agaricales (Blätterpilze)

Ein ansehnlicher und sehr wohlschmeckender Pilz ist der Parasol. Er stellt mit einer Stielhöhe von 40-50 cm und einem Schirmdurchmesser von 30 cm eine stattliche Erscheinung dar. Es heißt, daß er nach Erdnußbutter riecht. Das unterscheidet ihn von einem nahen Verwandten, dem Safranschirmling (Macrolepiota rhacodes), der kein Erdnußbutteraroma aufweist und außerdem einen einheitlich weiß (jung) oder rotbraun (im Alter) gefärbten Stiel hat. Der Stiel des echten Parasol ist charakteristisch kleinflächig weiß-braun genattert.

Der Parasol gedeiht im Sommer und im Herbst in lichten, grasigen Wäldern und am Waldrand. Verzehrt werden die Schirme, die man brät; die Stiele sind sehr zäh und daher ungenießbar. In rohem Zustand ist der Parasol etwas giftig.

 

Amanita muscaria

Fliegenpilz
Amanita muscaria
Familie: Amanitaceae (Freiblättler)
Ordnung: Agaricales (Blätterpilze)

Der bekannteste Giftpilz und gleichzeitig der schönste Pilz unserer Heimat ist der Fliegenpilz. Amanita muscaria, so sein wissenschaftlicher Name, ist in seiner typischen Form leicht an seinem roten oder braunroten Hut mit den weißen Tupfen (Hüllresten) zu erkennen. Der Stiel ist weiß, er trägt eine weiße, geriefte Manschette, an der Basis ist er knollig verdickt. Bei einem Querschnitt durch den Hut sieht man, daß das weiße Fleisch unmittelbar unter der Haut zitronengelb oder gelborange gefärbt ist. Verwechslungsmöglichkeiten bestehen – besonders wenn die weißen Hüllreste am Hut fehlen – bei oberflächlicher Betrachtung mit roten Täublingen (Gattung Russula).

Die im Fliegenpilz enthaltenen Gifte sind Muscarinchlorid, Muscimol und Ibotensäure. Je nach Standort kann der Giftgehalt unterschiedlich ausfallen. Im Mittel liegt die tödliche Dosis bei über 100 g des frischen Pilzes. Die Vergiftung führt u.a. über Magen-Darm-Probleme, Herzrhythmusstörungen, Schwindel, Tobsuchtsanfälle und Lähmungen zum Koma oder zu Kreislaufversagen und Atemlähmung.

Fliegenpilze werden seit Jahrtausenden auch als Rauschdroge verwendet. Die Wirkungen, so heißt es, sind sehr unterschiedlich und hängen stark von der Stimmungslage des Berauschten ab. Pausenloses Reden, Singen oder Tanzen sind im Spektrum der Reaktionen ebenso enthalten wie Angstgefühle, Depressionen oder Wutanfälle. Der Fliegenpilz gilt als stark giftiger Pilz; er ist verwandt mit Amanita phalloides, dem sehr stark giftigen Grünen Knollenblätterpilz.

 

Boletus edulis

Steinpilz
Boletus edulis
Familie: Boletaceae (Röhrlinge)
Ordnung: Boletales

Einer der begehrtesten Pilze ist der Stein- oder Herrenpilz, auch Dobernigel genannt. Der wissenschaftliche Artname bedeutet übersetzt eßbarer (edulis) Pilz (boletus). Auch unser deutsches Wort Pilz leitet sich von griechisch bolites und lateinisch boletus ab. Im Althochdeutschen wurde daraus buliz, im Mittelhochdeutschen bülez und daraus bülz. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts schrieb man bilz, und im 18. und 19. Jahrhundert taucht die Schreibweise pilz auf. In Süddeutschland wird im allgemeinen anstelle von Pilz das Wort Schwamm oder Schwammerl benützt.

 

 

Fotos: Peter Karasch, Verein für Pilzkunde München e.V.

Text: Ehrentraud Bayer

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